Samstag, 7. Juni 2014

Nomen est ...

Wenn man der Meinung ist, mit der Steuer - so wie sie ist - sei alles in Ordnung und nur die, die sie hinterziehen seien Gangster und nicht auch die, die sie erheben - warum nennt man die elektronische Steuererklärung dann Elster?

Dienstag, 1. April 2014

Benutzerfreundlichkeit

Das Thema Benutzerfreundlichkeit und intuitive Benutzeroberfläche beim Samsung Galaxy ... ihr wisst schon ... wollte ich so professionell wie möglich angehen. Also habe ich das Tablet einem Team von Experten für intuitive User Interfaces gegeben: meinen Töchtern (5) und (7). Hier die Management-Summary ihrer Untersuchung: Sie haben das Tablet nach 2 Minuten weggelegt. Für immer.

Ich will versuchen das zu erklären, ohne mich in Details zu verlieren. Eigentlich ist Benutzerfreundlichkeit etwas ganz Einfaches: Man muss freundlich sein zu seinem Benutzer. Das war's auch schon. Aber dazu muss man ihn verstehen. Und dazu wiederum muss man sich in seine Lage versetzen. Es gibt nämlich einen fundamentalen Unterschied zwischen Benutzer und Hersteller: Der Benutzer will das Produkt benutzen. Deshalb interessiert es ihn nicht wirklich, welche Features ein Produkt hat, sondern was er oder sie mit dem Produkt machen kann.


Ein Stift, mit dem man nicht schreiben kann. Zumindest keine E-Mails.
Ein Beispiel als pars pro toto: Der Stift. Eigentlich eine gute Idee. Ich benutze seit über 40 Jahren Stifte zum Schreiben. Warum also nicht auch für meine Computerarbeit? Hätte Samsung sich in meine Lage versetzt, hätten die Ingenieure ungefähr folgendes denken müssen: "Eine Sache, die viele Menschen mit ihren Tablets machen, ist E-Mails schreiben. Genaugenommen ist das sogar die häufigste Tätigkeit mit jedwedem Computer. Einfach eine kurze Mail mit einem Stift schreiben - tolle Idee!. Lasst uns also dafür sorgen, dass E-Mail schreiben so unkompliziert wird, wie eine Nachricht auf einen Zettel kritzeln."  Das haben sie aber nicht gedacht. Sondern eher das "Hey - das iPad hat keinen Stift. Wenn wir einen Stift an unser Tablet machen, dann haben wir ein tolles Feature, das Apple nicht hat. Lasst uns also einen Stift machen". Woher ich weiß, dass die Ingenieure Letzteres gedacht haben?

WEIL MAN MIT DEM STIFT KEINE E-MAILS SCHREIBEN KANN.

Man kann den Stift dazu benutzen, die E-Mail-Adresse des Empfängers zu schreiben. (Vorausgesetzt man gewöhnt sich daran, dass der Stift beim Schreiben immer einen Sekundenbruchteil hinterherhinkt. Ein ähnlich unangenehmes Gefühl wie beim Telefonieren seine eigene Stimme als Echo in der Leitung zu hören) Man kann auch die Betreffzeile mit dem Stift ausfüllen. Aber leider funktioniert er nicht beim wichtigsten Teil einer E-Mail. Beim Text. Super. Also kann man - ganz intuitiv - den Stift wieder zurückstecken, oder besser noch: gleich ganz wegschmeißen und wie üblich mit der Tastatur weiterschreiben.

Fazit - für Ingenieure
Denkt nicht darüber nach, was Euer Produkt alles haben und können könnte. Denkt darüber nach, was der Benutzer damit machen will. Und sorgt dafür, dass er das kann. Das ist Benutzerfreundlichkeit.

In diesem Sinne noch ein paar Tipps:

  • Wenn man ein Produkt macht, das für professionelle Anwendungen gedacht ist (das PRO in NotePRO ist ja nicht zufällig versal geschrieben - mitten im Wort ... obwohl ...), dann wär's schön, wenn man ZIP-Dateien entpacken könnte. Sowas sollte auf Betriebssystemebene funktionieren. 
  • Wenn Ihr dem Benutzer dann eine bildschirmfüllende Fehlermeldung ins Gesicht knallt, so wäre es nur intuitiv und ergonomisch, wenn man diese Fehlermeldung auch wieder per Touchscreen wegklicken kann. Wozu sonst gibt es einen Touchscreen? Zumindest ich und meine Töchter haben minutenlang auf dem Bildschirm herumgetatscht,  bis wir auf die Idee gekommen sind, dass bei Samsung noch keiner das "Fenster-schließen-Kreuzchen" kennt und wir auf die Rücktaste klicken müssen.
  • Die Rücktaste ist übrigens an der falschen Stelle. Auch wenn das ein koreanisches Produkt ist: Rückwärts ist links. Nicht rechts.


Mittwoch, 5. März 2014

Thomas und das Samsung iPad

5. März 2014.
Heute ist es angekommen. Das Samsung GALAXY NotePRO 12.2, das ich im Rahmen meiner TRND-Mitgliedschaft testen und dokumentieren werde. Eine Anmerkung zum Start: Ja, ich bin ein Apple-User. Seit Jahrzehnten. Also werden meine Beobachtungen von meinen Erfahrungen geprägt sein. Selbst wenn ich mich noch so bemühe, mein Gedächtnis zu löschen. Nichts für ungut.

Meine erste Beobachtung: der Name

"Samsung  GALAXY NotePRO 12.2". Ich will mal drüber hinwegsehen, dass 3-4 Schrifttypen und Schreibweisen (Versal, gemischt, Binnenversalien) nicht gerade elegant sind. Aber ich frage mich, wie ich das Gerät Familie und Kollegen gegenüber nennen soll. "Galaxy" - zu groß die Verwechslungsgefahr mit eventuell vorhandenen Smartphones. "NotePRO" wohl kaum - Wie klingt das denn: "Gib mal das NotePro" - ich würde mir vorkommen wie der Darsteller eines Werbespots. Meine Tochter nennt es iPad. Bin gespannt, ob ich eine Lösung für das Problem finde. Vorschläge sind herzlich willkommen.

Meine zweite Beobachtung: die Packung

Okay. Samsung kann nichts dafür, dass die Packung auf dem Boden meines Büros nahezu unsichtbar wird. Aber interessant ist die Frage schon: Warum die Holzmaserung? Im weiteren taucht dieses an sich schöne Gestaltungsmotiv gar nicht mehr auf. Die Gebrauchsanweisung ist im Altpapierlook gehalten. Das (und da ist es schon wieder, mein Namensproblem) ... Tablet ... hat eine Rückseite aus schwarzem Leder. Kein Holz. Hätte ja sein können.




Meine dritte Beobachtung: Die Kurzanleitung


Was auffällt: Samsung scheint das gleiche Problem mit der Bezeichnung zu haben wie ich. Auf über 40 Seiten taucht das Wort "Galaxy" gar nicht erst auf auf. Samsung spricht immer nur von "Gerät". Ist mir aber zu unpersönlich. Überhaupt: "unpersönlich" scheint der inhaltliche Leitgedanke der Kurzanleitung zu sein:

Man muss sich vorstellen – da gibt ein Kunde 899 Euro für ... Ding ... aus und man empfängt ihn noch nicht einmal mit einem freundlichen "Hallo".  Statt dessen folgender Begrüßungstext auf der Titelseite: "Kurzanleitung. Weitere Informationen finden Sie im vollständigen Benutzerhandbuch. Im Abschnitt "Benutzerhandbuch öffnen" in der vorliegenden Kurzanleitung erfahren Sie, wie Sie auf das Benutzerhandbuch zugreifen können".

Darauf folgt eine Doppelseite mit Disclaimern "Der Inhalt unterscheidet sich möglicherweise vom Endprodukt ..."), Kompatibilitätshinweisen und der Erklärung von Warn-, Hinweis- und anderen Symbolen. Auf Seite 4 und 5 darf man Copyright-Hinweise lesen und wird darüber informiert, dass das SAMSUNG-Logo Samsung gehört und alle anderen Marken ihren jeweiligen Besitzern. Klar.



Die Seiten 6-12 stellen dann die eigentliche Anleitung dar, die im wesentlichen aus dem üblichen Igel (welche Taste ist wo?), einem Akku-Aufladehinweis inklusive Warnung und dem Hinweis auf die Internetgebrauchsanweisung besteht. Die Seiten 13 bis 39 (!) sind dann Warnhinweise, Sicherheitshinweise (auch solche: "Halten Sie das Gerät aufrecht wie bei einem normalen Telefon"???), Entsorgungshinweise und eine Haftungsausschlussklausel.

Irgendwie hat sich das bei Apple anders angefühlt. Demnächst mehr.


Donnerstag, 1. März 2012

Der leere Blick der Profis: Klitschko/Mormeck-Pressetraining

Der Kämpfer betritt den Ring. Er gibt vor, den den Normalsterblichen sein Handwerk zu zeigen.

Brav stellt er zur Schau, was von ihm erwartet wird. Aber nicht mehr. Denn die Wahrheit – seine Wahrheit – wäre zu viel für die da unten stehen. So jemanden würden sie nicht in ihrer Mitte haben wollen.

Sein leerer Blick beim Hinausgehen beweist:  Die Jahre der Selbstüberwindung haben alles von ihm abgeschliffen, was ihn mit uns verbindet. Er ist weiter von der Welt entfernt als der Applaus jemals reichen könnte.





Freitag, 16. September 2011

Das Verbrechen

Stellen Sie sich vor, Sie hätten das erste ernstzunehmende elektrisch angetriebene Auto konstruiert. Alltagstauglich, mit Platz für vier Personen. Das ganze zu einem akzeptablen Preis. Sie hätten einen Deal mit 37 Stromanbietern in ganz Deutschland geschlossen, um Ihre zukünftigen Kunden günstig mit Ökostrom für eben dieses Auto zu versorgen. Ihre Konkurrenz (die normalweise die Zukunft des Automobils oder gleich die ganze Kategorie für sich in Anspruch nimmt) würde meilenweit hinterherhinken. Eine schöne Vorstellung, nicht wahr? So muss sich ein Held fühlen.

Stellen Sie sich außerdem vor, dass alles, was Sie jetzt noch tun müssten, um sich und ihrer dahinsiechenden, permanent von Werksschließungen, Insolvenz oder Verkauf bedrohten Marke die Zukunft zu sichern, das eine wäre: dieses Auto, diesen Durchbruch in die Welt zu schreien! Jeder soll erfahren, dass Ihre Marke nicht nur lebt, sondern förmlich Funken sprüht.

Wenn das Ihre Aufgabe wäre - würden Sie dann Millionen in die Hand nehmen und einen Spot produzieren und schalten, in dem es um Jogger, Taucher und Bergsteiger geht? So bescheuert wären Sie nie, denn niemand kann so bescheuert sein. Wirklich niemand? Schauen Sie sich das an:




Warum gehen die Opel-Arbeiter nicht gegen ihre Marketingabteilung auf die Barrikaden?
Opel ist eine bewunderungswürdige Marke, die hervorragende Autos baut. Der Astra ist ein supersolides Volumenauto, der Insignia eine herausragende Limousine, der Ampera ein Durchbruch. Aber irgend jemand bei Opel scheint beschlossen zu haben: "Wir verraten es niemandem, sollen es die Leute doch selbst herausfinden."

Wie muss sich der Bochumer Opelaner fühlen, der im Monatsrhythmus hört, dass sein Arbeitsplatz noch ein bisschen unsicherer geworden ist, dass er auf noch mehr verzichten soll, wenn er im Fernsehen sieht, wie das, wovon seine Zukunft abhängt, vorsätzlich nicht verkauft wird?

Schlimmer noch: Wer wird denn entlassen, wenn am Ende des Quartals die Kasse nicht stimmt? Genau - der einzige, der seine Arbeit ordentlich gemacht hat - der einfache Arbeiter. Die Marketingmannschaft schwelgt derweil in Erinnerungen an die tollen Dreharbeiten. Irgendwann wird ja das nächste Modell kommen, das man nicht verkaufen muss.

Dass die Führung die Zukunft der einfachen Leute verschusselt, war in Algerien, Ägypten, Libyen und Griechenland der legitime Grund, auf die Straße zu gehen. Niemand könnte es den Arbeitern in Rüsselsheim, Bochum, Eisenach und Kaiserlautern übel nehmen, täten sie das selbe.

Es wäre so leicht.
Opel ist eine solide, bodenständige, grundehrliche Marke, die ausgezeichnete Autos baut, die sich nicht verstecken müssen. Weder hinter albernen Ocean's Eleven-Abklatsch-Storys (Astra), noch hinter Mistery-Clips in Lomo-Optik (Insignia) und erst recht nicht hinter belanglosen Vergleichen (Ampera). Alles, was nötig ist, um Autos wie diese zu verkaufen, ist Respekt den Leuten gegenüber, die sie konstruiert und gebaut haben. Das – und der berechtigte Stolz auf die gemeinsame Leistung.

Alles, was man tun muss: Ganz einfach zeigen, wie das Auto aussieht, was es kann, und wie toll es ist. Das zu unterlassen, ist kein Fehler. Es ist ein Verbrechen.


Freitag, 8. Juli 2011

'tschuldigung

Eine guter Trick bei Fehltritten: Man entschuldigt sich. Aktuelle Beispiele: hier, hier und hier.

Aha. So geht das also. Ist ja gar nicht schwer: Vor die Kameras treten und sagen "Ich entschuldige mich für mein Verhalten ohne Vorbehalte und in aller Form." Doktorarbeit gefälscht? Zivilisten bombardiert? Zugchaos verursacht? Kein Problem. 'tschuldigung und gut ist's.

Die Frage ist bloß: Geht das überhaupt - sich selbst entschuldigen? Kann man sich eine Schuld, die man bei anderen hat, selbst erlassen? Bei Geldschulden ist das jedem klar – das geht natürlich nicht.

"Ich schulde Dir noch 100 Euro. Aber: Entschuldigung." Gott sei Dank geht das nicht. Wäre auch eine gar zu einfache Lösung für Griechenland-Probleme und ähnliches.

Eine Schuld kann nur der Gläubiger erlassen. Deshalb darf es nicht heißen: "Ich entschuldige mich", sondern: "Ich bitte um Entschuldigung." Dann ist es die Entscheidung des anderen, ob der die Entschuldigung annimmt und damit die Schuld erlässt. Oder auch nicht.

Eine Entschuldigung in dieser Form ist nicht nur sachlich und sprachlich korrekt – sie ist auch ungleich schwerer. Der Entschuldiger begibt sich in die Hand des anderen. Das ist unangenehm. Aber damit fällt automatisch der Hautgout der Selbstgefälligkeit weg ("Ich hab mich doch entschuldigt, was willst Du noch?"). Solche Entschuldigungen wirken aufrichtiger, weil sie es auch sind.

Wahrscheinlich sind sie deshalb so selten.

Freitag, 10. Juni 2011

1 Million Kuchen

Anruf in beim Marketingleiter des Gebäckherstellers XYZ:

"Guten Tag. Wir arbeiten im Auftrag eines sehr großen Unternehmens. Unser Klient unterhält eine große Außendienstmannschaft, die pro Jahr eine Million Besuche in Privathaushalten macht. Um die Termine noch angenehmer zu gestalten und um besser neue Termine abschließen zu können, möchte der Klient "Incentives" für die Kunden einsetzen. Er könnte sich vorstellen zu jedem Kundenbesuch einen kleinen Kuchen mitzubringen. Wäre das interessant für Sie? Wie kommen wir in dieser Sache weiter?"

Kurzes Überlegen auf der anderen Seite der Leitung.

"Beschreiben Sie uns Ihr Vorhaben am besten in einer E-Mail - und schicken Sie die Mail an info@xyz.de"

Was ist da falsch gelaufen? Die Antwort: Nichts! Der Mann hat alles richtig gemacht: Was immer in seiner Zielvereinbarung stand - außer der Reihe eine Million Kuchen zu verkaufen, gehörte offensichtlich nicht dazu.

Wenn er "Nein" sagt (und "Mail an info@xyz.de" ist nur eine freundlichere Art, "Nein" zu sagen), ändert sich nichts an seinem Leben. Alles in Ordnung. Wenn er zustimmt, hat er auf jeden Fall mehr Arbeit. Sollte die Aktion ein Erfolg werden, muss er im nächsten Jahr zwei Millionen Kuchen verkaufen und hat noch mehr Arbeit. Im Falle eines Misserfolgs, bekommt er Ärger, macht sich angreifbar. Also lautet die richtige Antwort "Nein".

Don't rock the boat. Alles in Ordnung.

Oder?